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Künstliche Intelligenz wird zur Chefsache – auch im Mittelstand

Künstliche Intelligenz hat sich seit 2022 von einer abstrakten Vision zu einer geschäftskritischen Realität entwickelt. Während Unternehmen weltweit die Potenziale dieser Technologie erkennen, zeigt sich hierzulande eine unbequeme Wahrheit: Der industrielle Mittelstand in Deutschland tut sich schwer, aus KI handfesten Nutzen zu ziehen. In einem vermeintlich technologieaffinen Land wie Deutschland macht diese Diskrepanz deutlich, dass der Schlüssel zum Erfolg nicht allein in der Technologie liegt.

Seit 2022 ist Künstliche Intelligenz von einer Vision zur geschäftskritischen Realität geworden. Während Unternehmen weltweit das Potenzial erkennen, tut sich der deutsche Mittelstand schwer, aus KI echten Nutzen zu ziehen. In einem technologieaffinen Land zeigt diese Diskrepanz, dass der Erfolg nicht allein von der Technologie abhängt.

» Alexander Schnindler, Gründer von Wavesix

Laut einer Deloitte-Studie fühlen sich nur 3 % der befragten deutschen Führungskräfte „sehr gut“ darauf vorbereitet, KI im eigenen Unternehmen einzuführen. Gleichzeitig geben laut McKinsey knapp 86 % der Führungskräfte im deutschen Mittelstand an, dass sie durchaus ungenutzte Potenziale für KI im eigenen Unternehmen erkennen. Diese Diskrepanz zwischen Erkenntnis und Handlungsfähigkeit ist alarmierend und unterstreicht den Nachholbedarf in Sachen KI-Kompetenz auf Führungsebene.

Im internationalen Vergleich wirkt der Rückstand noch deutlicher. Während in Großbritannien KI nachweislich in den meisten Unternehmen bereits auf Vorstandsebene angesiedelt ist, sucht man in DAX-Vorständen vergeblich überhaupt nach Digitalkompetenzen. Nur ein Unternehmen im deutschen Leitindex hatte Ende 2024 einen Chief Digital Officer berufen. Während deutsche Unternehmen regelrecht dazu gezwungen werden müssen, bestimmte Mitarbeiter in Sachen KI auszubilden, sind in Skandinavien und Asien großangelegte KI-Grundlagentrainings schon lange Usus.

KI-Kompetenzen in der Unternehmensführung werden zum Hygienefaktor

Hierzulande herrscht in vielen Unternehmen das Missverständnis, dass KI-Transformation primär eine komplexe, technologische Aufgabe ist. Unternehmen, die bereits erste Erfolge ihrer Transformation vorzuweisen haben, haben alle eins gemeinsam: Sie verstehen KI-Transformation als Change-Management Herausforderung, die von der Unternehmensführung getrieben werden muss. Führungskräfte müssen sowohl die Chancen als auch die Risiken von KI verstehen und so gezielt Initiativen anstoßen, die mittelfristig die gesamte Belegschaft befähigen, zu Transformations-Multiplikatoren zu werden.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist ein solides Verständnis von künstlicher Intelligenz für deutsche Führungskräfte unerlässlich. Spätestens seit der Veröffentlichung von ChatGPT und den daraus resultierenden rasanten Entwicklungen, ist KI kein Spezialthema mehr, welches an die IT-Abteilung delegiert wird. Vielmehr muss KI zur Hygiene-Kompetenz in deutschen Chefetagen werden.

Im deutschen Mittelstand kann KI zum Wachstumsmotor werden

KI-Kompetenzen, sowohl in der Führung als auch im Rest des Unternehmens ermöglichen den Zugang zu bisher ungenutzten Chancen. Erste Praxisbeispiele aus dem industriellen Mittelstand zeigen diese Potenziale deutlich. Insbesondere die signifikante Steigerung von Mitarbeiterproduktivität und Prozesseffizienz stehen derzeit im Vordergrund. Bereits heute haben erste Maschinenbauer erfolgreich demonstriert, wie generative KI beispielsweise im technischen Service zu signifikanten Zeiteinsparungen und einer verbesserten Servicequalität führen kann. Im Anlagenbau beweisen erste Piloten, dass speziell entwickelte Anwendungen, dass sich Projektplanungen und Kalkulationen präziser und weitaus schneller durchführen lassen.

Um ähnliche Möglichkeiten, in allen Geschäftsbereichen, aktivieren zu können ist ein proaktives Vorgehen vorausgesetzt. Eine immer wiederkehrende Beobachtung zeigt, dass insbesondere deutsche Mittelständler den Blick meist auf große, oftmals amerikanische Technologieanbieter richten, in der Hoffnung, dass diese zeitnah passgenaue Softwarelösungen zur Verfügung stellen. Diese Einstellung ist jedoch unzureichend. In den meisten Fällen sind kritische Unternehmensprozesse so individuell, dass Standardlösungen von Drittanbietern nicht wertstiftend eingesetzt werden können. Darüber hinaus sind KI-Modelle in den meisten Fällen auf proprietäre Unternehmensdaten angewiesen. Diese blind weiterzugeben, birgt erhebliche Risiken.

Durch fundiertes Wissen, geeignete Tools und kompetente Ansprechpartner im eigenen Unternehmen – etwa in Form eines KI Center of Excellence – lassen sich Mitarbeiter so befähigen, dass sie eigenständig Möglichkeiten für KI erkennen und diese auch zu einem gewissen Grad realisieren können. Voraussetzung hierfür ist wieder eine Führungsebene, die KI-Initiativen aktiv unterstützt. Eine Geschäftsführung, die sich deutlich zur Transformation bekennt und zudem offen mit der eigenen Lernreise umgeht, schafft Vertrauen und Sicherheit. In der Tat gibt es immer noch viele Mitarbeiter, die KI mit großer Vorsicht begegnen. Die überwiegende Mehrheit jedoch wartet regelrecht auf Möglichkeiten, KI im Arbeitsalltag einzubinden.

KI-Transformation im deutschen Mittelstand steht an einem kritischen Punkt

Zahlreiche Studien – wie unter Anderem der globale Cisco AI Readiness Index – zeigen deutlich, dass deutsche Unternehmen großen Nachholbedarf in der Nutzung von KI haben. Diesen Zustand einzig und allein auf mangelnde öffentliche Investitionen und hinderliche Gesetzgebung zu schieben ist zu kurz gedacht. Vielmehr zeigt sich im Zeitalter von KI, wie gravierend die Auswirkungen der zögerlich angegangenen Digitalisierungen in vielen Betrieben hierzulande sind. Dennoch wäre es fatal, angesichts der präsenten und zukünftigen Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten, resigniert zu reagieren. KI muss jetzt zur Chefsache erklärt werden. Die Ausbildung von Mitarbeitern, beginnend mit dem Führungsteam, muss zur oberen Priorität gemacht werden.

Besonders ermutigend dabei ist: Die eigenen Mitarbeiter zeigen sich überraschenderweise durchaus offen dem bevorstehenden Wandel gegenüber und bringen der eigenen Führung einen gewissen Vertrauensvorschuss entgegen. Dieses Kapital sollte genutzt werden, um mutig, entschlossen und verantwortungsbewusst eine KI-Transformation einzuleiten. Durch dieses systematische und entschlossene Vorgehen können insbesondere deutsche Mittelständler die umfangreichen Chancen durch KI langfristig ausschöpfen.

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